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SOKA-BAU-Meldungen in SAP HCM:
Warum 2026 eine saubere Systemkonfiguration wichtiger ist denn je

Seit dem 1. Juli 2025 gelten im Sozialkassenverfahren der Bauwirtschaft neue Beitragssätze – und das ist nicht die einzige Änderung, die Bauunternehmen in ihrer SAP-HCM-Konfiguration beschäftigen sollte.
Der Gesamtbeitrag setzt sich zusammen aus dem Anteil für die ULAK (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft), die den Urlaubsanspruch aller Bauarbeitnehmer branchenübergreifend sichert, dem Beitrag für die ZVK (Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes), die als betriebliche Altersversorgung der Branche fungiert, sowie einem Anteil für die gewerbliche Berufsausbildung.

Für Betriebe im Westen beläuft sich der Gesamtbeitrag aktuell auf 20,4 % der Bruttolohnsumme – aufgeteilt auf 14,5 % für die ULAK, 2,1 % für die Berufsausbildung und 3,8 % für die ZVK.

Alle drei Komponenten laufen unter dem Dach der SOKA-BAU – der Sozialkasse des Baugewerbes – zusammen und müssen monatlich korrekt gemeldet und abgeführt werden. Für SAP-HCM-Systeme, die Baulohn abrechnen, heißt das: Wer diese Sätze nicht aktiv nachgepflegt hat, rechnet seit Monaten mit veralteten Werten ab. Die Konsequenz sind fehlerhafte SOKA-BAU-Meldungen – und im schlimmsten Fall Nachforderungen, die erst bei einer Betriebsprüfung ans Licht kommen.

 

Was sich mit dem neuen VTV geändert hat – und was das technisch bedeutet

Der VTV – der Tarifvertrag über das Sozialkassenverfahren im Baugewerbe – regelt, wer beitragspflichtig ist, wie Beiträge berechnet werden und welche Meldepflichten gelten. Der überarbeitete VTV enthält neben den Beitragssatzanpassungen weitere relevante Neuerungen: Für Auszubildende ist künftig laufend der gewährte Urlaub zu melden – nicht mehr nur im Auslernjahr. Außerdem sollen gedruckte Bescheinigungen schrittweise durch digitale Bereitstellung über das SOKA-BAU-Portal ersetzt werden.

Beide Punkte haben eine direkte technische Implikation in SAP HCM. Die neue laufende Urlaubsmeldepflicht für Azubis erfordert eine Überprüfung der bestehenden Abrechnungslogik und der Infotyp-Pflege für Auszubildende. Wer das bisher nur im Auslernjahr abgebildet hat, hat seit Juli 2025 eine strukturelle Lücke im System – ohne dass SAP dabei automatisch warnt.

Die Umstellung auf digitale Bescheinigungen klingt organisatorisch, ist aber auch ein Signal: Das SOKA-BAU-Verfahren wird datengetriebener. Unternehmen, die noch mit manuellen Korrekturen und Nachpflege außerhalb von SAP arbeiten, geraten zunehmend unter Druck.

 

Baulohn außerhalb von SAP HCM – ein unterschätztes Risiko

Viele Bauunternehmen haben SAP bereits produktiv im Einsatz – typischerweise in FI/CO oder in der Logistik. Die Payroll-Konfiguration für Baulohn läuft dagegen oft separat: über externe Dienstleister, Standardsoftware oder eine seit Jahren nicht mehr aktiv betreute SAP-HCM-Installation.

Das erzeugt ein charakteristisches Risikoprofil: Die Systemstruktur ist vorhanden, aber die baulohnspezifischen Konfigurationsebenen sind veraltet, lückenhaft oder wurden nie vollständig aufgesetzt. Neue Tarifänderungen wie die VTV-Anpassungen zum Juli 2025 werden dann nicht systematisch ins System übernommen, sondern bestenfalls manuell kompensiert – mit all den Fehlerquellen, die das mit sich bringt.

 

Prüfen Sie vorab: Welche Infotypen müssen vor dem SOKA-BAU-Meldungslauf geprüft sein?
Hier geht´s zur Checkliste:


Typische FI-Buchungsfehler bei Saisonkräften – drei Muster, die immer wieder auftauchen

Das Baugewerbe lebt von Saisonarbeit. Kurze, wiederkehrende Beschäftigungsverhältnisse sind keine Ausnahme, sondern das Regelmodell. Genau das macht Saisonkräfte zur größten Fehlerquelle im SOKA-BAU-Prozess – auf der HR-Seite wie in der Finanzbuchhaltung (FI).

 

1**Nachberechnung ohne erneuten Meldungslauf. **

Wird eine Saisonkraft nachträglich korrekt im System erfasst, löst SAP eine retrograde Abrechnung aus. Die korrigierten Bruttolohnwerte fließen aber nur dann korrekt in die SOKA-BAU-Meldung ein, wenn die betreffende Periode noch offen ist und der Exportlauf explizit neu angestoßen wird. Dieser Schritt wird in der Praxis regelmäßig ausgelassen.

 

** 2. Differenzen zwischen gebuchtem und gemeldetem Beitrag. **

Die Verbindlichkeiten gegenüber SOKA-BAU werden über die Lohnbuchhaltung in der Finanzbuchhaltung verbucht. Bei unterjährigen Eintritten, Austritten und Statuswechseln entstehen Abweichungen zwischen dem durch SAP gebuchten Betrag und dem tatsächlich an SOKA-BAU gemeldeten Wert – häufig verursacht durch Infotyp-Lücken, die die Bemessungsgrundlage verzerren. Diese Differenzen sind ohne Abstimmung zwischen HR und FI vor dem Meldungslauf nicht erkennbar.

 

**3. Fehlende oder veraltete Symbolkontenzuordnung.**

Wenn SOKA-BAU-spezifische Lohnarten nicht korrekt auf Sachkonten gemappt sind, landen Beiträge auf falschen Konten. Im HR-Bereich bleibt das oft über Monate unbemerkt – in der Finanzbuchhaltung fällt es bei der nächsten Kontenabstimmung oder Betriebsprüfung unmittelbar auf.

 

Was die aktuellen VTV-Änderungen konkret für Ihre SAP-Konfiguration bedeuten

Die Beitragssatzänderungen zum 1. Juli 2025 und die neuen Meldepflichten für Auszubildende sind seit Monaten gültig – aber SAP hat sie nicht automatisch übernommen. Wer also die Konfiguration seitdem nicht aktiv angefasst hat, rechnet heute noch mit veralteten Werten ab.

Konkret bedeutet das:
Die neuen Beitragssätze für ULAK, ZVK und Winterbeschäftigungsumlage müssen in den relevanten Lohnarten und Berechnungsregeln bereits hinterlegt sein. Die Tabelle T511K für umlagebezogene Rechengrößen muss die für 2026 gültigen Werte enthalten – nicht die des Vorjahres. Die Abrechnungslogik für Auszubildende muss die laufende Urlaubsmeldepflicht abbilden, nicht nur die Meldung im Auslernjahr. Und die FI-seitige Buchungslogik muss mit den geänderten Sätzen abgestimmt sein, damit keine stillen Differenzen seit Juli 2025 aufgelaufen sind.

Wer diese Punkte jetzt prüft, kann Fehler noch korrigieren, bevor sie in einer Betriebsprüfung ans Licht kommen. Wer wartet, vergrößert den Korrekturbedarf mit jedem weiteren Abrechnungsmonat.

 

Was Sie mitnehmen sollten

Die Kombination aus neuen Beitragssätzen, geänderten Meldepflichten und einer oft historisch gewachsenen SAP-Konfiguration macht das SOKA-BAU-Verfahren 2026 zu einem echten Prüfstein für die Qualität der Baulohnabrechnung.

Wer Baulohn in SAP HCM abbildet, braucht das Verständnis dafür, was sich im VTV geändert hat, und die Systemkompetenz, diese Änderungen an den richtigen Stellen im Customizing umzusetzen. Nur wenn beides in einem durchgehenden Prozess zusammenwirkt, sind SOKA-BAU-Meldungen nachhaltig korrekt – und damit auch betriebsprüfungssicher.

Haben Sie Fragen zur aktuellen SOKA-BAU-Konfiguration in Ihrem SAP-HCM-System? Oder möchten Sie prüfen, ob Ihre Baulohnabrechnung für 2026 korrekt aufgestellt ist? Sprechen Sie uns an.